Perverses Paradoxon.

In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich? 

Nach dem was ich heute erlebt habe kann die Antwort eigentlich nur lauten: In einer Gesellschaft der Perversion in jeglicher Hinsicht. Dieser Feststellung ging folgendes Erlebnis voraus: An diesem Abend saß ich, phasenweise etwas gelangweilt, in meinem Zimmer herum. In einem Impuls der Langeweile besuchte ich eine der zahllosen Nachahmer-Produkte von Chatroulette. Anders als wohl die meisten anderen User, mit dem was ich gerade am Leib trug. T-Shirt, Hose, Wintermütze. Links neben mir eine Wasserflasche, rechts neben mir ein Keksteller den man mir zu Weihnachten geschenkt hatte. Wie es bei mir eben so aussieht, wie ich eben so aussehe. Als ich dein zwei jungen Mädchen zugeschaltet war, hatte ich die Möglichkeit ihrem Gespräch zuzuhören. „Is he eating?“ – „Chewing, I guess.“ – „That’s so weird.“ Das ist so seltsam. Etwas verduzt realisierte ich dann schon kaum mehr, dass ich wenige Sekunden später weggeklickt wurde. Was ich meine: Ist es in unserer Gesellschaft normal, dass wir uns öffentlich entblößen, aber öffentlich zu essen ist seltsam? Scheinbar. Einige Klicks später, zwei Mädchen aus Los Angeles, die die Feststelltaste nicht zu finden schienen. Dazu unterbelichtet. Kann mich nicht erinnern jemals ein so – gelinde gesagt – simples Gespräch geführt zu haben. Weiter. Wie viele Menschen musste ich mir in der kurzen Zeit anschauen, die ich auf dieser Seite war? Wie viele hatten nichts oder zu wenig an? Zu viele. Wie viele sinnvolle Konversationen gab es? Keine. Wobei ich zugeben muss, dass ich meinerseits einer oder zwei davon keine Chance gegeben habe. Ich blieb noch ein wenig auf der Seite und dann schlussendlich fand ich doch noch zwei Menschen mit denen man Reden konnte. Dachte ich. Bis sie mich aufforderten mein T-Shirt auszuziehen. Disconnect, please.

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