Eine überfällige Klage, viele Analysen und ein wenig Selbstkasteiung…

Was dieser Tage bei den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgeht empfinde ich – gelinde gesagt – als bemerkenswert.

Was ist passiert? Rheinland-Pfalz und Hamburg klagen gegen das ZDF, das ihnen zu staatsnah ist. Dass es bis zum Prozessbeginn vier Jahre seit der Nicht-Vertragsverlängerung von Nikolaus Brender gedauert hat, sei mal geschenkt. Absurderweise ist das nämlich nur noch eine Randnotiz. Interessanter wird es dann schon, wenn sich nun die ARD zu Wort meldet und der Meinung ist, stolze 47 von 77 Mitgliedern im ZDF-Fernsehrat seien staatsnah. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, haben die Verantwortlichen sogar eine eigene Analyse in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis noch strenger ist, als eine Länder-Analyse (die sah 35 staatsnahe-Mitglieder). Dazu kommen 6 von 14 Mitgliedern des Verwaltungsrates welche die ARD als dem Staat nahestehend betrachtet. Maximal ein Drittel wäre zulässig.

Wenn man das so betrachtet stellt sich dann aber doch die Frage, was da nun bemerkenswerter ist: Dass die ARD Geld in eine Studie investiert, um dann ein bisschen gegen das ZDF zu wettern (mit dem man doch eigentlich dieser Tage auf Kuschelkurs war, Stichwort: Jugendkanal) oder, dass tatsächlich so viele dem Staat nahestehende Personen für unseren öffentlich-rechtlichen Rundfunk verantwortlich sind. Dem Programmauftrag und der eigentlich zwingend erforderlichen staatsferne tut das sicherlich nicht gut.

Dabei, um noch einmal auf erstere Alternative zurückzukommen, hat die ARD doch durchaus ihre eigenen Sorgen. Zum Beispiel in Form des MDR, dass jüngst einen Beitrag aus der Mediathek zurückzog und zwar – man lese und staune – auf Druck der SPD. Und dies geschah obwohl die MDR-Intendantin Wille über ebendiesen Beitrag im August noch gesagt hatte, dass ihre Redakteure einwandfrei gearbeitet haben. Der Beitrag, in dem es um eine islamistische Bewegung geht, die angeblich die Leipziger Jusos unterwandert, habe sogar der hausinternen juristischen Prüfung standgehalten. Trotzdem wolle man zur Deeskalation beitragen. Bleibt eine offene Frage: Wo ist eigentlich da die Studie zur Staatsnähe?

Quellen:
Marcel Pohlig: Auch ARD sieht Staatsferne im ZDF nicht gegeben, DWDL.de, abgerufen am 04. November 2013
Marcel Pohlig: Nach Beschwerden: MDR entfernt „exakt“ Beitrag, DWDL.de, abgerufen am 04. November 2013

Kommentar verfassen