Never too little and never too late.

[Jede Wahrheit kommt dem zu früh, der jede zu spät erkennt.]

Carl Gustav Jochmann

Sie erkannte es. Sie wollten sie nicht. Mit diesen Mitteln sagten sie es.

Die Tür war zu, das Licht aus. Und sie wusste es. Man brauchte sie nicht. Sie klingelte nicht einmal. Es war einfach vorbei. An diesen Ort wollte sie nie wieder zurückkehren, warum auch. Sie ließ es einfach hinter sich. Diese Menschen brauchte sie nicht, nie wurde sie unterstützt, immer hatte sie Hilfe gebraucht. Das waren die Gedanken die ihr durch den Kopf schossen. Dass die beiden vielleicht selber Probleme gehabt hatten, mit ihrem Leben nie zurecht kamen, aber doch immer bemüht waren das beste zu tun, darüber dachte sie gar nicht nach. An so etwas denkt man nicht, wenn man so jung ist und dabei so unsensibel. Aber wo soll sie es auch her haben? Niemand war sensibel, da wo sie herkam. Niemand.
Und was jetzt? Die Straße rief. Was soll sie auch sonst machen.

Es sind diese Geschichten, die die Menschen lieben. Das kleine Mädchen, aufgewachsen im Armenviertel, ohne Geld, ohne Erziehung, als Kind auf der Straße. Aber virtuos in dem was sie tut. Töne hatten sie schon immer fasziniert. Die Musik die aus den Saiten kam, wenn man sie zupfte hatte sie früher gedacht. Heute sprach sie professioneller davon. Aber genauso leidenschaftlich. Längst füllte sie nicht mehr nur den Dorfplatz. Sie war umgezogen in die Stadt, nach Liverpool, man gab ihr einen Plattenvertrag; sie schlug voll ein. Konzerte, Auftritte bei allen großen Radio-Stationen des Landes, Plattenverkäufe. All das, wovon jede Jugendliche träumt, die passioniert Gitarre spielt und singt. Jeder außer ihr. Sie hatte Geld. Eine zweite Platte folgte. Nichts von dem Erfolg verging. Die Leute liebten sie, ihre Musik, ihre Natürlichkeit. Alles. Alle. Außer ihr selber. Sie erkannte bald, dass sie das nicht wollte. Sie wusste nicht wohin mit all dem Geld. Sie hatte gelernt ohne das alles auszukommen. Sie brauchte keine großen Ruhm, kein großes Geld. Sie ging zurück und füllte wieder den Dorfplatz. Und nur den Dorfplatz. Sie genoss es. Sie erkannte, wie sie es damals gemeint hatten. Sie hatten doch immer das beste gewollt. Und dann kehrte sie doch noch einmal zurück. Sie wollte noch einmal nachhause. Doch das Licht war aus. Ihre Eltern waren gegangen. Sie klopfte nicht erst an der Tür. Doch sie war sich jetzt sicher: Sie hätten sie gewollt.

Jegliche Übereinstimmung mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig. Die komplette Handlung ist frei erfunden. Geschrieben im Januar 2011

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