Das Kuriosum der vergebenen Chance: Wer kommentiert da eigentlich?

Es gibt Tage bei dieser Weltmeisterschaft, an denen gleich acht Mannschaften antreten. Wer aber kommt zum Einsatz, wenn gleich vier Spiele von einem Sender übertragen werden? Schaut man sich das Resultat an, so könnte man denken die hätte ARD im gesamten Senderkonstrukt keine Kommentatoren mehr übrig.

Seit jeher spalten Sportkommentatoren die Zuschauer. Tatsächlich ist es so wie oft gesagt wird: Wenn ein Kommentator auch nur die Hälfte der Zuschauer zufrieden stellt, so hat er seinen Job gut gemacht. Selbst dies erscheint aber in den meisten Fällen irreal. Vor allem aber gibt es genug Figuren die sehr stark spalten. Denkt man an die aktuelle Weltmeisterschaft dürfte den meisten da sofort Béla Réthy in den Kopf schießen. Entweder man liebt seine Art zu kommentieren oder man hasst sie. In der Regel zumindest. Manche wünschen sich dann eben auch, dass endlich einmal Emotions-Maschinen wie Wolff-Christoph Fuss oder Frank Buschmann bei den großen Turnieren zum Einsatz kommen. Allein die Logik der Öffentlich-Rechtlichen lässt das allerdings schon eher unwahrscheinlich erscheinen. Zumal auch diese beiden stark polarisieren.
Aber wer sind dann eigentlich die Köpfe, die alle Spiele begleiten? Gerade beim ZDF setzt man vor allem auf Solides, auf Altbekanntes. Neben jenem Réthy sind Thomas Werk, Oliver Schmidt und Euer Ehren Wolf-Dieter Poschmann im Einsatz. Wer hätte das gedacht. Für Das Erste stehen erst mal drei Namen auf der Liste: Neben Steffen Simon, der gleich fröhlich von diesen unorganisierten Südländern sprach, noch Gerd Gottlob und der für’s Finale gesetzte Tom Bartels. Überraschungen auch hier zunächst Fehlanzeige.
Aber Moment: Bis zu vier Spiele an einem Tag, aber nur drei Kommentatoren? Da fehlt doch einer. Als zum ersten Mal bei dieser WM der Fall mit den vier Partien eintrat, durften diesen Part mit der Begegnung Elfenbeinküste-Japan zur besten Sendezeit um 3.00 Uhr nachts Jens-Jörg Rieck übernehmen. Ein erfahrener Sport-Kommentator ist Rieck ohne Frage. In jüngster Zeit machte er aber vor allem Schlagzeilen, weil seine Vergangenheit als IM bei der Stasi bekannt wurde. Über die Hintergründe dieser Tätigkeit soll hier nicht weiter diskutiert werden, dass wurde mithin zur Genüge getan, wohl aber über die Tatsache, dass Rieck überhaupt beim Turnier dabei ist. Denn dass der Sender ihn mitnimmt könnte nur dann als Vertrauensbeweis verstanden werden, wenn Rieck eine wirklich umfangreiche Tätigkeit zukäme. So aber war er bis dato nur einmal im Einsatz und wird es vermutlich nur noch zweimal sein. Und im Gegensatz zu den anderen Kommentatoren bekam man bei der Übertragung den Eindruck, dass der Name Rieck so selten wie möglich fallen solle. Auch bei vielen Aufzählungen in diversen Pressevorstellungen war der Name kaum zu vernehmen. Falls es aber tatsächlich der Fall ist, dass man einen Jens-Jörg Rieck eher ungern dabei haben wollte, warum greift die ARD dann nicht auf einen anderen Kommentator zurück? Der Fundus, der nicht zuletzt aus zahlreichen Radiokommentatoren besteht sollte da doch einiges hergeben. Und gerade zu nachtschlafender Stunde oder auf einem der Digitalkanäle tut es ohnehin nicht wirklich weh, wenn einmal ein bisschen experimentiert wird. Schade drum, eine vergebene Chance ist es damit in jedem Fall. Ob dies nun ein missglückter Versuch war Rieck den Rücken zu stärken oder, ob die Strukturen der Öffentlich-Rechtlichen daran schuld waren? Kaum zu beantworten.

Update 19.Juni 2014: Quotenmeter.de meldet mittlerweile, dass mit Florian Naß ein erfahrener Kommentator ein Spiel übernehmen wird, dass Einsfestival überträgt. Jens-Jörg Rieck kommt nicht zum Einsatz. Die anderen Partien laufen mitunter in Konferenz-Schaltung.

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