Mach doch mal die Auster zu!

Für mangelnde Auskünfte in der Affäre um gefälschte Statistiken erhält der ADAC den Negativpreis des Netzwerkes Recherche. Scheint, als hätten sonst alle bekannten Auskunftsverweigerer die „Verschlossene Auster“ schon erhalten.

Schon seit 2002 vergibt die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche jährlich seine „verschlossene Auster“ für Personen und Organisationen aus Wirtschaft oder Politik, die nicht sonderlich auskunftsfreudig sind. In der Liste der Preisträger tauchen einige Namen auf, die tatsächlich nicht wenig relevant anmuten. Neben Wladimir Putin, nicht gerade bekannt als Unterstützer der russischen Pressefreiheit, musste auch das Internationale Olympische Komitee mit dieser Auszeichnung vorlieb nehmen. In den vergangenen beiden Jahren wurde dann neben der FIFA auch noch Ex-Bundesminister Hans-Peter Friedrich [[geehrt]].

Und 2014? Da musste der ADAC als Preisträger herhalten. Auf den ersten Blick scheint das eine logische Vergabe, hat der größte deutsche Automobilclub doch bewusst Informationen zurückgehalten und ist als gemeinnütziger Verein (der zumindest nach nicht-juristischem Verständnis alles andere als gemeinnützig arbeitet) nicht wirklich transparent. Bei Lichte betrachtet, darf man aber auch festhalten: Eingereiht in die Liste der Preisträger mutet der ADAC doch recht harmlos an. Weniger Hassobjekt als Banken oder Energieriesen, weniger Moralapostel als die katholische Kirche. Aber was bedeutet das?  Dem Netzwerk Recherche scheinen die schlimmsten Gegner ausgegangen zu sein – oder zumindest haben sie den Preis allesamt schon mal erhalten. Aber Moment: Mit neuen Affären treten natürlich neue Gegner erst auf’s Parkett. Und wenn’s gut läuft verlassen sie es auch bald schon wieder.

(C)henningschacht

Viele Leute glauben in letztere Reihe könnte man auch Hans-Peter Friedrich einreihen. Wer das denkt, liegt jedoch falsch. Denn wie sehr Friedrich den Preis verdient, zeigt nicht zuletzt die Art und Weise wie er zurückgetreten ist: Wegen der Edathy-Affäre musste Friedrich sein Amt abgeben, was seine Partei umgehend dem Koalitionspartner vorwarf, nur um sich unmittelbar danach als stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU wählen zu lassen. Gar nicht so blöd der Mann. Eigentlich aber auch halb so wild. Denn selbst wenn man sich blöd anstellt, als ehemaliger Bundesminister bekommt man sicher noch einen Job bei Rheinmetall.

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