Die AfD, eine ernstzunehmende politische Kraft?

[[Im Vergleich zu damals sind wir […] bereits jetzt eine ernstzunehmende politische Kraft in Deutschland.]]

Das erklärte Frauke Petry zum Zustand [[ihrer]] AfD in der Eröffnungsrede zum Bundesparteitag in Köln, wobei man nach den Ereignissen der jüngsten Wochen nicht mehr wirklich sagen kann, ob es sich nach wie vor um ihre Partei handelt.

In den Medien wurde dieser Ball häufig nicht aufgenommen: Wenn überhaupt wurde Petry mit diesem Satz zitiert, in die Argumentation übernommen wurde er jedoch nicht. Mirco Overländer von der Frankfurter Neuen Presse kommentierte hingegen bereits im Vorfeld des Parteitags eine Perspektive herbei:

[[Würde die Führungsriege der AfD nur halb so viel Energie auf politische Inhalte verwenden wie auf interne Grabenkämpfe, so könnte die Partei binnen weniger Jahre tatsächlich zu einer ernstzunehmenden politischen Kraft heranreifen.]]

Was Overländer meint, erklärt er im Folgenden: Es gäbe genügend Wählerinnen und Wähler, die die AfD erreichen könnte. Die Partei, so die Argumentation, sei also nur deshalb nicht ernstzunehmen, weil sie sich in Grabenkämpfe verstricke, anstatt die [[etablierten Parteien vor sich herzutreiben]].

Bedeutet im Umkehrschluss: Nur, weil die AfD irgendwie chaotisch ist und eine Storch einem Pretzell nicht über den Weg traut, ist die AfD eine absurde Scheißpartei. NUR DESWEGEN. Nicht etwa, weil sie maximal halbherzig so tut, als würde sie Rassisten verurteilen oder, weil sie eine homosexuelle Frau mit Adoptivkind als Spitzenkandidatin zur Bundestagswahl antreten lässt, in einer Partei die sich gegen das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren einsetzt. Oder aus diversen sonstigen Gründen, die sich ohne Weiteres finden lassen würden. Nein, nur deswegen.

Vielleicht aber meint Overländer auch einfach das: Die AfD wäre eine relevante Partei, wenn es die Grabenkämpfe nicht geben würde. Aber auch dieser Schluss trügt: Relevant (und das kann man gut oder schlecht finden, aber so ist es einfach) ist die AfD schon jetzt. Nicht umsonst überträgt der öffentlich-rechtliche Ereigniskanal Phönix in enormem Umfang vom Bundesparteitag, nicht einfach so ist sie in elf von 16 Landtagen und zahlreichen Kommunalparlamenten vertreten und hat gute Chancen noch 2017 im Bundestag vertreten zu sein.

Sie ist sogar so relevant, dass die Mehrheit des Bundestag es für geboten hielt zu verhindern, dass die AfD den Alterspräsidenten des Bundestags in naher Zukunft wird stellen können. Was ein plumper und zugleich dummer Trick ist: Wenngleich die Reform grundsätzlich richtig ist, kommt sie so offensichtlich zu einem Zeitpunkt der nur im Blick hat die AfD rauszuwerfen, dass sich die Wählerinnen und Wähler nur verarscht fühlen können – wer weiß, möglicherweise spült allein diese Reform wieder einige Stimmen nach rechts außen.

All das macht die Partei also noch relevanter. Ernstzunehmend aber ist die AfD höchstens insofern, als dass man sie weiter genau beobachten muss, als dass man weiteren Zulauf verhindern muss. Wer ansonsten glaubt, die vom anderes Bundestagswahl-Spitzenkandidaten Alexander Gauland selbst als rechtspopulistisch zertifizierte Vereinigung könnte womöglich ernstzunehmend sein, der irrt. Man beweise mir das Gegenteil.

Die Reihe [[Ausgesprochen]] setzt sich mit Zitaten auseinander, die so nicht unbedingt in der Öffentlichkeit beleuchtet wurden – aber eigentlich interessant sind.

Kommentar verfassen