Was Spiegel Daily richtig macht

[[Spiegel Faily]], diesen läppischen Kalauer-Namen gibt man Spiegel-intern dem täglichen News-Produkt [[Spiegel Daily]] laut Meedia-Bericht. Wenigstens eine Sache aber macht das Produkt besser als die E-Paper-Konkurrenz.

Die großen Erwartungen des Spiegel an [[Spiegel Daily]] wurden dem Vernehmen nach nicht erfüllt, wie Meedia berichtet. Ich selbst habe [[Spiegel Daily]] nach Launch einen kostenfreien Monat getestet. Vieles gefiel mir gut, manches weniger, letztlich aber fand ich im ohnehin mit Medien vollgestopften Alltag kein Format, das mich zum Abo überredet hätte.

Woran das aber nicht lag: Am Preis. 6,99 Euro löhnt der Daily-Kunde im Monat. Das sind selbst in kurzen Monaten bei den fünf pro Woche erscheinenden Ausgaben weniger als 35 Cent pro Veröffentlichung. Außerdem ist das Abo jederzeit zum Auslaufen des Monats kündbar – ohne Frist.

Vorbilder: Neflix, Spotify und Konsorten

Orientiert hat man sich bei der Preispolitik offensichtlich nicht an der direkten Konkurrenz, sondern an den erfolgreichen Playern im digitalen Spiel: Netflix, Spotify und Konsorten.

Bei Netflix liegt das günstigste Abo bei 7,99 Euro. Mit bis zu vier Konten, die Netflix zur gleichen Zeit nutzen können, zahlt man trotz der jüngsten Preiserhöhung nur 12,99 Euro. Teilt man sich das Abo also mit vier Personen sind das knapp 3,25 Euro pro Monat.

Bei Spotify sieht das ähnlich aus: Den Familien-Account dürfen bis zu 6 Konten nutzen, 14,99 Euro kostet er. Nutzt man das voll aus, zahlt jede Person gerade 2,50 Euro im Monat. Dabei gilt die Einschränkung, dass alle Personen die gleiche Anschrift haben müssen. In der Realität aber wird diese Einschränkung allzu häufig umgangen. Monatlich und flexibel kündbar ist auch Spotify.

Wer also Nutzer für Medien im weitesten Sinne zur Bezahlung bringen möchte, der braucht offenbar neben geilen Inhalten auch noch günstige Preise und hohe Flexibilität. All das bietet Spiegel Daily. Anders als die E-Paper der Tageszeitungen.

So zahlt man bei der Süddeutschen Zeitung für das E-Paper regulär 33,99 Euro pro Monat (im Vergleich zu 62,90 Euro für das Print-Abo außerhalb von Bayern, die Bajuwaren bekommen es immerhin für 59,90 Euro). Will man SZ-Plus, also mehr als nur ein PDF-E-Paper, dann kommt noch ein Euro dazu. Und da fällt gleich ein weiterer Kritikpunkt ins Auge: Der Preis-Wildwuchs. Denn neben den herkömmlichen Paketen gibt es noch x unterschiedliche Preismodelle, wie in der Darstellung unten auszugsweise zu sehen. Da gibt es Unterschiede für Firmenkunden, Studenten, Abonnenten der Print-Zeitung, Abonnenten der Print-Zeitung am Wochenende. Und. Und. Und.

Preis-Wildwuchs bei der Süddeutschen Zeitung

Nicht, dass das bei der Konkurrenz besser wäre: Im F.A.Z.-Abo-Shop wird mir ein Abo von Montag bis Freitag oder Samstag nicht angeboten. Für Montag bis Sonntag, also F.A.Z. und Sonntagszeitung, zahlt man als regulärer Leser 46,90 Euro pro Monat. Dafür bekommt man zwar bis auf feiertags immer Lesestoff, dennoch ist das eine Menge Holz. Vor allem dann, wenn man die Masse erreichen möchte. Für das gleiche Angebot in Print löhnt ein Kunde übrigens 71,90 Euro – trotz des Wegfalls von Lieferung und Druck kein riesiger Rabatt.

Kündigungsfristen vergraben in Textwüsten

Beiden Angeboten gemein: Zur Kündigungsfrist ist – zumindest in transparenter Weise – nichts zu finden. Die Tiefen der F.A.Z. AGB verraten allerdings: Die Kündigungsfrist ist mit 20 Tagen zum Monatsende nur ein klein wenig unflexibler als bei der großen Konkurrenz. Bei der SZ sieht es ähnlich aus, hier braucht es vier Wochen Frist, die in den Tiefen des Netzes verwurschtelt sind. So sind die Modelle jedenfalls sehr viel umständlicher und intransparenter als bei Netflix und Spotify. Hier reicht ein Klick. Und das weiß der Kunde, denn er wird darauf hingewiesen. Um das klar zu sagen: Das ist keine Eigenheit von F.A.Z. oder SZ. Auch bei anderen Produkten wie dem Handelsblatt sieht das so aus. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Und es ist schon klar, vom Umfang her kann man Tageszeitungs-E-Paper und das eher schmale [[Spiegel Daily]] kaum vergleichen. Spannend wäre an der Stelle aber zu sehen, wie viel Zeit Nutzer mit beiden verbringen. Da ich zu [[Spiegel Daily]] keine Nutzungsdaten gefunden habe, ist der Vergleich kaum möglich. Meine These: Mit guten, aber kurzen Produkten verbringt ein Leser kaum viel weniger Zeit als mit einer kompletten E-Paper-Ausgabe. Auch wenn also [[Spiegel Daily]] tatsächlich als gescheitert zu betrachten ist: Womöglich ist es dennoch an der Zeit für die Tageszeitungsverlage über andere Digitalprodukte nachzudenken. Schlank, günstig, transparent und einfach.

Offenlegung: Ich arbeite als Werkstudent im Digital-Bereich der F.A.Z.

© Bilder: Screenshot Spiegel Daily/Süddeutsche Zeitung

Kommentar verfassen