Warum die Debatten um Burkaverbot und Nationalhymne im Prinzip sehr ähnlich sind

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über ein Burkaverbot diskutiert. Vor einigen Wochen forderte die Gleichstellungsbeauftrage des Familienministeriums eine genderneutrale Anpassung der Nationalhymne. Beide Debatten werden extrem emotional geführt. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit zwischen zwei auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Themen.

Es war zu erwarten: Vor wenigen Wochen forderte Kristin Rose-Möhring, die Gleichstellungsbeauftrage des Bundesfamilienministeriums, die Nationalhymne geschlechtsneutral zu gestalten. Statt [[Vaterland]] solle nun [[Heimatland]] gesungen werden und statt [[brüderlich]] [[couragiert]].  Die Reaktionen darauf waren ein einziger Aufschrei: Ob man denn keine wichtigeren Probleme habe, was das wieder für ein Genderquatsch sei hieß es. Und diesmal schien selbst bei manchen eigentlich verständnisvollen Debattenteilnehmern eine Grenze erreicht.

Im Laufe dieser Debatte musste ich immer wieder an ein anderes Thema denken, das auf den ersten Blick nicht wirklich im Zusammenhang mit dem Genannten steht: Das Burkaverbot. Zunächst einmal sei gesagt: Es geht mir hier ausdrücklich um keine inhaltliche Positionierung innerhalb beider Debatten. Es geht auch nicht um die offensichtliche Gemeinsamkeit: Dass beide Debatten sehr emotional geführt werden.

Die bedeutsame und vor allem relevante Gemeinsamkeit ist letztlich eine andere: Beide Reformen brächten keine manifesten Änderungen mit sich. Sie sind erfolglose Symbolik, lösen aber nicht das dahinterstehende Problem: Das Verbot zum Tragen einer Burka ändert wenig an der Unterdrückung von Frauen. Der angepasste Text der Nationalhymne sorgt nicht für ein Umdenken bei Sexisten oder Menschen, die Diskriminierung nicht als Solche erkennen.

Für beides gilt vermutlich sogar eher das Gegenteil: Wer die Genderdebatte grundsätzlich als relevant ansieht, sich über die Textänderung der Nationalhymne aber zugleich aufregt, der wird der Genderdebatte womöglich in Zukunft eher kritisch gegenüberstehen. Muslime, die sich im Diskurs eigentlich nicht bevormundet fühlen, könnten womöglich genau das nun empfinden. Insofern sollten in der Debatte aber nicht nur manifeste Konsequenzen berücksichtigt werden, sondern auch implizite Konsequenzen, also eben die Veränderungen in Diskurs und Stimmung.

Zugleich muss man aber auch manifestieren: Dass es sich bei Maßnahmen um reine Symbolpolitik handelt, ist kein Grund, nicht daran festzuhalten. Denn was inhaltlich richtig ist, wird nicht deshalb falsch, weil es kaum ein Resultat hat. Man würde ja auch nicht auf die Idee kommen, Mord als Tatbestand abzuschaffen, nur weil es in einer Gesellschaft keine Morde mehr gibt.

 

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