Who the fuck wants eigentlich Kanzleramt?

Die Koalitionsverhandlungen in Berlin schreiten vorran und damit passiert auch das, was alle vier Jahre so sicher ist, wie das Bahn-Bashing im Winter. Worum geht’s? Genau, um Postengeschacher.


Wer darf Minister werden, wer bleibt es und wer muss doch bald nach Europa.

Und was sind die (vorläufigen) Ergebnisse? Die Tagesschau spekuliert online darüber, dass Peter Altmaier als Kanzleramtsminister einen Schritt zurück machen muss. Irgendwie scheint das Kanzleramtsministerium auch unbeliebt zu sein. Ronald Pofalla tat sich da in jüngster Zeit ja irgendwie auch schwer. Egal, denn wir erinnern uns, im August erklärte Pofalla die NSA-Affäre für beendet. Gut so, sonst hätte sie ja den Wahlkampf auch mehr beeinflusst als nötig. Wolfgang Schäuble bleibt dem Kabinett wohl ebenso erhalten, nur in welchem Ressort ist noch unklar, weil die SPD sehr sicher Ansprüche auf das wichtige Finanzressort hat.

So weit, so naheliegend. Überraschender und durchaus verwunderlich ist es aber, dass darüber spekuliert wird, Peter Ramsauer als Chef ins Wirtschaftsministerium zu schicken. Der Mann also, der als verantwortlicher Minister nicht in der Lage war, die (auch und insbesondere finanziell und wirtschaftlich gearteten) Pannen am Hauptstadtflughafen in den Griff zu bekommen, soll sich nun um die gesamte Volkswirtschaft kümmern. Als Belohnung für seine guten Leistungen, sozusagen. Zwei Sachen geben einem aber an dieser Stelle dann doch etwas Mut: Einerseits wird genau so darüber geredet, Ramsauer könnte auch gar nicht mehr dem neuen Kabinett angehören und das Verkehrsministerium scheint für ihn schon jetzt passé zu sein. In CSU-Hand könnte es aber wohl trotzdem bleiben.

Interessant wird es auch sein zu verfolgen, was mit Andrea Nahles passiert. Wie es nunmal so ist, versucht man sich als Generalsekretär seinen Ministerposten zu sichern, was zumindest bei der letzten Kabinettsbildung in Person von Dirk Niebel – um es nett auszudrücken – etwas unglüklich endete. Frau Nahles wird mit den Themen Wirtschaft und Soziales sowie Familie und Bildung in Verbindung gebracht. Auch hier könnte das Ergebnis aber glücklicher sein, denn in jedem Bereich stehen da irgendwie SPD-Leute vor ihr, deren Expertise größer scheint – oder zumindest deren Reputation. Und, dass sich Manuela Schwesig in zweiter Reihe zurückhalten würde, das kann wohl keiner von der jungen Dame verlangen. Nein:

Aber natürlich ist es zum jetzigen Zeitpunkt noch zu früh, wirkliche Aussagen zu treffen, wie das Kabinett letztenendes aussieht, nur eins ist wohl schon sicher, sollte nicht noch außergwöhnliches passieren: Cem Özdemir, der vor seiner erstmaligen Wahl zum Bundesvorsitzenden feststellte, dass es doch besser geeignete Kandidaten gäbe als ihn, wird der Regierung nicht angehören. Schade drum.

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